Nordbrücken-Sperrung: Auswirkungen auf Schwerlastverkehr und Region


In der zweiten Februarwoche wird die marode Friedrich-Ebert-Brücke (Nordbrücke) in Bonn für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gesperrt. Für viele Unternehmen bringt diese Maßnahme spürbare Veränderungen im täglichen Betrieb mit sich.
Frank Herschel, Geschäftsführer der Bonntrans Hans Herschel GmbH, schaut mit Sorge auf die bevorstehende Sperrung. Sein Speditionsunternehmen mit Sitz im Beueler Ortsteil Pützchen ist unmittelbar betroffen. Von den insgesamt 60 Fahrzeugen im Bestand wiegt der überwiegende Teil deutlich mehr als 7,5 Tonnen.
Das Unternehmen transportiert im Schwerpunkt Baustoffe wie Pflastersteine und Eisen an überwiegend regionale Bestimmungsorte. Viele der Bau- und Entladestellen befinden sich im linksrheinischen Bonn sowie im Umland. Die dafür häufig genutzte Rheinquerung über die Nordbrücke – Teil der Autobahn 565 – steht ab dem 9. Februar zunächst in Fahrtrichtung Koblenz und wenige Tage später auch in Richtung Beuel/Siegburg bis auf Weiteres nicht mehr zur Verfügung.
„Viele Alternativen gibt es nicht“, erklärt Herschel. Die Kennedybrücke als Teil der B56 ist nur einspurig. Seit der Einrichtung einer Umweltspur auf der Oxfordstraße hat sich dort der motorisierte Verkehr stärker gestaut. Als zweite Option bleibt die Konrad-Adenauer-Brücke (Südbrücke, A562), die linksrheinisch an der B9 endet. Eine großräumige Umfahrung über die Rodenkirchener Brücke in Köln würde für das Unternehmen einen Umweg von etwa 60 Kilometern bedeuten.
Für die Mitarbeiter bedeutet dies längere Fahrzeiten und zusätzlichen Stress. Neben längeren Strecken rechnet Herschel auch mit höheren Abgaben. Bereits heute zahlt das Unternehmen rund 45.000 Euro Maut pro Monat. Die Maut wird über Toll Collect für Autobahnen und Bundesstraßen kilometergenau berechnet. Seit Dezember 2023 ist zusätzlich eine CO₂-Komponente Bestandteil der Berechnung, wodurch sich die Abgaben je nach Fahrzeugart deutlich erhöht haben.
Täglich nutzen rund 100.000 Fahrzeuge die Nordbrücke, darunter etwa 5.000 Schwerlaster und Busse über 7,5 Tonnen. Ein Teil davon hat Bonn oder das nähere Umland als Start- oder Zielpunkt.
Nach der Sperrung sollen weiträumige Umleitungen über die A61 (linksrheinisch) und die A3 (rechtsrheinisch) führen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit der Rheinquerung über die Rodenkirchener Brücke in Köln. Innerstädtisch rechnen Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis mit einer Zunahme des Verkehrs auf verschiedenen Strecken, darunter die Kennedybrücke, die Südbrücke, der Verteilerkreis (Potsdamer Platz), die Reuterstraße, die B9 sowie weitere zentrale Verkehrsachsen im Stadtgebiet.
Die Stadt prüft, ob der Schwerlastverkehr in der Sondersituation über Reuterbrücke und Reuterstraße geführt werden kann. Derzeit besteht dort ein Transitverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Zudem wird geprüft, ob bestimmte Verkehrsmaßnahmen temporär aufgehoben werden können. Bauarbeiten auf wichtigen Straßen sollen nach Möglichkeit verschoben werden, um zusätzliche Engpässe zu vermeiden.
Für Rettungsdienste bleibt die Nordbrücke weiterhin befahrbar. Schulbusse erhalten eine Sondererlaubnis bis zu den Sommerferien. Einzelne Buslinien werden auf alternative Routen verlegt.
Langfristig sind Abriss und Neubau der Brücke in den 2030er-Jahren geplant. Der Neubau soll deutlich breiter ausfallen und zusätzliche Fahrspuren, einen Standstreifen sowie einen Rad- und Fußgängerweg umfassen. Hintergrund sind das hohe Verkehrsaufkommen von über 100.000 Fahrzeugen täglich sowie die über die Jahre schwerer gewordenen Lastwagen.
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